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Den Anfang machten die Frauen … Die ersten Jahre 1909 bis 1918

Wedel Anfang 1900 – mehr Dorf als Stadt im Kaiserreich. Die Ver­einigung mit Schulau stand bevor und man freute sich über die neue Eisen­bahn­verbindung nach Hamburg. Es entstand eine kleine, aber aufstrebende Industrie. Die soziale und medizinische Versorgung war jedoch schlecht. Es gab wenige Ärzte und natürlich noch kein Krankenhaus. Bedürftige waren angewiesen auf aktive Nachbarschaftshilfe.

Jedoch: Schon 1888 gab es in Pinneberg einen „Verein zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger“, an dem auch 9 Bürger aus dem damals noch selbständigen Schulau teilnahmen. Dieser Verein basierte auf der Genfer Konvention von 1864. Auf der im Archiv der Stadt Wedel liegenden Mitgliederliste tauchen Familiennamen auf, die auch heute noch bekannt sind. Daher sind Aktivitäten im Sinne des Roten Kreuzes schon älter als 100 Jahre – der eigenständige Rotkreuz-Verein in Wedel bildete sich allerdings erst 21 Jahre später.

Führende Persönlichkeiten Wedels beschlossen 1909 im Geiste der sozialen und humanitären Ideen von Henry Dunant, dem Begründer des Roten Kreuzes, die Gründung des „Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz“. Anna Eggers, die Frau des seit 1902 amtierenden Bürgermeisters Friedrich Eggers sowie Pastor Thode, Schulrektor Schulz, seine Frau und Haupt­lehrer Haug zeichneten als Gründungsmitglieder verantwortlich. Anna Eggers wurde zur Ersten Vorsitzenden gewählt.

Aufgabe war es, sich um die Betreuung von Kranken, Alten, Kindern und Säuglingen zu kümmern. Die Stadt Wedel mit dem gerade eingemeindeten Schulau wurde dafür in neun Bezirke unterteilt. In jedem Bezirk wurde eine Bezirksfrau bestimmt, die die soziale Betreuung der Bürger gewährleisten sollte. Damit wurde in Wedel erstmals ein soziales Betreuungsnetz geschaffen, das sich in den kommenden Jahren bewähren sollte. In einem historischen Bericht des Vereins über jene Gründerzeit heißt es: „Keine Not, keine Krankheit, kein Kummer und vor allem keine Geburt blieb den Bezirksfrauen verborgen. Es wurde geholfen, wo immer es möglich war“. Spenden - neben wenigen Geldbeträgen vor allem Naturalien – linderten die Not und ermöglichten häusliche Krankenpflege. Wöchnerinnen bekamen etwa 14 Tage lang für sich und ihre Familie ein warmes Mittagessen. Das war zu dieser Zeit eine kleine soziale Revolution.

Der erste Weltkrieg veränderte die Arbeit des jungen Vereins. Es wurden Pakete für Lazarette und die Frontsoldaten gepackt, genäht und gestrickt sowie Verbandzeug hergestellt. Weitab von den Kriegsereignissen entwickelte sich die Arbeit in Wedel weiter: Eine hauptamtliche Krankenschwester wurde eingestellt. Neben der Kranken- und Altenpflege assistierte diese erste Wedeler Rotkreuzschwester auch dem prakti­zie­renden Arzt bei gele­gent­lichen Hausoperationen. Durch ihre medizinische Ausbildung verstand sie sich auch auf die Durchführung von Narkosen.

In einem Raum im alten Rathaus an der Austraße bot der Frauenverein in vierzehntägigem Rhythmus eine Mütter­beratung und Säuglings­wiege­stunde an. Als Anreiz für die „neumodische“ Einrichtung verteilte der Frauenverein Lebensmittel; bedürftige Mütter bekamen außerdem einen Wochenkorb voll Babywäsche geliehen. Die hauptamtliche Schwester sorgte schließlich mit regelmäßigen Hausbesuchen für eine zusätzliche ambulante Betreuung vor Ort.

Während der letzten Kriegsjahre ging es der Bevölkerung durch mangelnde Nahrung zunehmend schlechter. In der Hobüschentwiete wurde deshalb von der Kriegsfürsorge eine Volksküche eingerichtet, bei der auch der Frauenverein mithalf und Portionen für Hilfs­bedürftige in den Pflegebezirken verteilte. Bei Kriegsende 1918 hatte der vaterländische Frauenverein seine erste Bewährungsprobe als wichtige Hilfsorganisation in Wedel bestanden.